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Die 10 wichtigsten Tipps für erfolgreiche Interviews

Wie verhält man sich als Künstler am Besten in einem Interview?

Saskia Rienth ist Medienberaterin und Kommunikationstrainerin speziell für Bands und Solomusiker. Hier gibt sie die 10 wichtigsten Tipps für erfolgreiche Interviews.

#1 Füttere Journalisten

Viele Künstler bekommen weiche Knie vor einem Interview und hoffen auf einen „netten“ Interviewer mit „guten“ Fragen. Aber mal ehrlich: Es gibt einfach auch sehr unfreundliche Journalisten und es gibt bescheuerte Fragen, da musst du drüber stehen.

Nutze deine Auftritte im Radio, TV, Internet für deine Botschaften und Inhalte. Überlege dir vor dem Interview welche Infos du bekanntgeben möchtest und bringe diese geschickt in deine Antworten unter. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir vorher die wichtigsten Infos als Stichworte aufschreibst. (VÖ Termin, Tourdaten, Geschichte zur Single XY,…) Du wirst schnell merken, es geht gar nicht um die Fragen, sondern um die Antworten.

Befreie dich aus deiner Passivhaltung und werde aktiv, du hast es in der Hand! Füttere den Journalisten! Der Journalist möchte exklusive News von dir, im Gegenzug bekommst du Aufmerksamkeit. Sein Job ist es gute Stories und Schlagzeilen zu schreiben. Überlege dir also vorher, wie du dargestellt werden möchtest, welche Infos für deinen Interviewer interessant sind und was du deinen Fans zu sagen hast.

 #2 Nimm Journalisten nichts persönlich

Es gibt nichts unsympathischeres als Künstler, die beleidigt auf Fragen reagieren, oder pampige Antworten geben. Egal an was du dich störst und wie berechtigt dein Ärger ist, die Zuschauer, Zuhörer oder Leser achten fast ausschließlich auf deine Antworten und nicht auf die Fragen. Wenn deine Antworten also genervt klingen, kommst du als Künstler genervt rüber. Klingen deine Antworten arrogant, wirkst du arrogant.

Nutze lieber deine Medienpräsenz statt beleidigt zu reagieren! Egal wie provozierend manche Fragen ausfallen, bleibe gelassen und stehe drüber. Zum Job des Journalisten gehört es Fragen zu stellen, die das Publikum und nicht ihn interessieren. Dir kann es also egal sein, ob der Journalist dich mag oder nicht, du solltest über deine Inhalte sprechen und an dein Publikum denken. Deine Fans warten vielleicht schon sehnsüchtig auf das Interview und ein Zeichen von dir. Sie brennen dafür zu erfahren, wie es dir geht, und sie hoffen, irgendetwas Neues von dir. (Neuigkeiten, Persönliches, Vorlieben, Geschichte, Lieblingslied…) Keiner mag die beleidigte Leberwurst, sie lässt dich nur unsympathisch wirken. Denk daran, der Journalist macht auch nur seinen Job und hat vielleicht nicht seinen besten Tag, aber dafür hast du die Chance bei dem Publikum einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen!

#3 Nutze das Vorgespräch

 Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Wenn ein Journalist auf dich zukommt mit einer Interviewanfrage, finde heraus, was der Hintergrund oder Anlass des Interviews ist. Erkundige dich nach der bevorstehenden Interviewsituation und hole dir die wichtigsten Infos ein:

–   Ist das Interview live oder wird es aufgezeichnet? (Bei einer Aufzeichnung kannst du
deine Aussagen problemlos verbessern und dir etwas mehr Zeit bei der Beantwortung lassen)

  • Wie lange geht das Interview? Wie viele Fragen sind es grob? (Daraus kannst du dir ableiten, wie viel Zeit dir pro Antwort bleibt)
  • In welche thematische Richtung geht das Interview?
  • Ist das Interview auf 30 Minuten angesetzt, halte dir 60 Minuten frei (Dadurch wirst du entspannter und kannst dem Journalisten hintenraus noch ein paar zusätzliche Infos
    geben)
  • Recherchiere deinen Interviewer, um herauszufinden, welchen Hintergrund, welche
    Position, welche Ansicht er hat. Dann weisst du wer bzw. welches Medium auf dich zu kommt.
  • Setze dich mit dem Medium und der Redaktion auseinander. Informier dich auf der Homepage über aktuelle Aktionen und was momentan wichtige Themen sind. So weisst du was dich erwartet und du kannst interessante Programmpunkte (wenn es denn stimmt) auch mal lobend erwähnen. Das macht Eindruck auf den Journalisten, die Redaktion und das Publikum.

#4 Geschichten bringen Aufmerksamkeit

Ein gutes Interview ist ein Gespräch, von dem Hörer, Zuschauer oder Leser profitieren. Überlege dir, was könnte für den Radiosender, TV-Sender, Zeitung, Portal etc. thematisch interessant sein und was spricht das Publikum an? Sei dir bewusst: Mit jedem Interview kannst du Fans dazu gewinnen. Sie sind dein treustes Publikum und werden deine Stories und Infos weitererzählen. Sie gieren förmlich nach Neuem von dir, überlege also, was ist für deine Fans eine wertvolle neue Info? Statt über Fakten, spreche in Emotionen und male Bilder in den Köpfen deines Publikums. Gerade im Radio müssen sich Hörer im Kopf ein eigenes Bild machen. Also beschreibe deine Geschichten in Bildern und rege die Phantasie deiner Hörer an. Ziel sollte es sein, mit deiner Stimme und deiner Art zu erzählen Kino im Kopf zu erschaffen!

Um auf gute Geschichten zu kommen, stelle dir folgende Fragen zum Album oder zur Single: Worum gehts? Was war der Gedanke? Wie ist Song/Album entstanden? Fun-Fact? Was bedeutet dir der Song? Was war die Idee dazu?….

#5 Unterschätze nicht die Standardfragen

„Wie bist du zur Musik gekommen? Beschreibe deinen Musikstil! Was ist eure Mission?“

Das sind nur ein paar der häufigst gestellten Fragen in Interviews mit Musikern. Klassiker schlechthin ist die Frage nach dem Künstlernamen und was es damit auf sich hat. Für die allermeisten ist das die langweiligste Frage, aber definitiv eine der interessantesten für Leute die dich noch nicht kennen.

Merk dir die Fragen, die du immer wieder gestellt bekommt und überlege dir darauf die bestmögliche Antwort. Es ist ähnlich wie in einer Klassenarbeit, wenn du die Prüfungsfragen schon hättest, würdest du dir dafür auch die perfekten Antworten zurechtlegen. Alles andere wäre auch echt verschenkt! Also schreibe dir die Antworten in Stichworten zu den Standardfragen auf und gehe sie immer wieder durch. Ziel: Du musst sie jederzeit locker, kurz und lebendig wiedergeben können!

Außerdem hat es seinen Grund, dass dir bestimmte Fragen immer wieder gestellt werden: Das Publikum. Ein Journalist stellt mehr oder weniger stellvertretend die Fragen für seine Zuschauer/Hörer/Leser. Bei jedem Interview gibt es Menschen die zum ersten Mal von dir erfahren, also gib ihnen die Chance dich kennenzulernen. Wenn du demnächst also zum 342. Mal nach der Entstehung deines Künstlernamens gefragt wirst: Lächle und antworte überzeugend (nicht herunterleiernd!!), denn du weisst, diese Frage ist ein Heimspiel 🙂

#6 Interviews mit der Band

 Wenn du in einer Band spielst, kennst du bestimmt die unangenehme Situation in Interviews, dass eine Frage gestellt wird, und ihr erstmal untereinander klären müsst, wer sie beantwortet. Da wird das Mikrofon von einem zum anderen herumgereicht, mit den Ellenbogen gestupst und mit Blicken kommuniziert, bis sich jemand findet, der sich bereit erklärt die Frage zu beantworten. Besser ist es vorher festzulegen, wer sich bei Interviews äußert. Überleg dir also mit deiner Band zusammen, wer bei euch der Interviewansprechpartner Nummer 1 wird (in der Regel Sänger/Sängerin), vielleicht gibt es noch weitere Bandmitglieder, die sich auch äußern wollen. Wie ihr euch entscheidet ist euch überlassen. Außerdem solltet ihr die anzusprechenden Themen untereinander klar aufteilen. Überlegt euch vorher, wer welche Fragen rund um die Band beantwortet, wer zur Single, zum Album, zur Tour, dann kann keine peinliche Stille entstehen.

Wenn einer antwortet, schauen ihn die anderen Bandmitglieder immer wieder an, hören aufmerksam zu und nicken auch mal, wenn sie zustimmen. Auf keinen Fall sollte die Band gelangweilt wirken, weil sie die Antworten ja schon kennt!

Das gilt auch in Situationen mit anderen Bands oder Musikern, die neben euch sitzen und auch zum Interview geladen sind. Wenn sie gefragt werden, hört ihr aufmerksam zu. Das zeigt deinen Respekt.

#7 Spreche in kurzen Sätzen, komme auf den Punkt

Du hast etwas zu sagen, deswegen sollte deine Botschaft auch jeder verstehen können. Spreche in einer allgemeinverständlichen Sprache und verwende kurze prägnante Sätze (keine Schachtelsätze, in denen du dich verlieren könntest)! So kann sich das Publikum deine Sätze besser einprägen, du kannst besser zitiert werden und der Journalist freut sich vielleicht schon über eine Schlagzeile, die du nebenbei kreiert hast.

Vor allem im Radio ist die Aufmerksamkeitsspanne sehr gering, deswegen solltest du nicht zu viele Aspekte in einen Satz packen, sondern erst recht, in kurzen Sätzen sprechen. Wichtig ist, dass du immer wieder bewusst zum Punkt kommst. Trau dich einen Punkt zu setzen (und vielleicht auch etwas Stille zu riskieren, das macht das Gespräch dynamisch) und gehe am Satzende mit der Stimme runter, so sorgst du dafür, dass der Redakteur dich gut schneiden kann und deine O-Töne öfter einsetzt, da sie nicht nur inhaltlich gut sind, sondern auch noch gut klingen. Wichtige Informationen solltest du am Anfang eines Satzes unterbringen, das sorgt für mehr Aufmerksamkeit (Earcatcher). Sehr hiflreich ist auch die Hafenmethode: Überlege dir deinen ersten und letzten Aspekt deiner Antwort. Dazwischen kannst du dich auch etwas verlieren. 🙂

#8 Alles kann gegen dich verwendet werden

Wenn du diesen Tipp beachtest, kannst du dir viele Unannehmlichkeiten auf einfache Weise ersparen: Sobald du einen Journalisten mit Mikro und/oder Kamera triffst, musst du damit rechnen, dass alles was du in der kommenden Zeit sagst, gesendet wird: Egal ob du gerade eine Zigarettenpause machst, dich nochmals puderst, dein Mikro auf der Toilette noch angestellt ist oder du ein persönliches Telefonat am Rande führst. Vor allem exklusive Gossip Formate bei Privatsendern sind drauf und dran irgendetwas Privates von dir zu bekommen. Also Vorsicht: Interviewzeit heisst Showtime! Ab dem Moment in dem der Journalist auftaucht bis zu seiner

Verabschiedung musst du damit rechnen, dass alles was du sagst auch verwendet wird. Auch wenn es heisst „die Kamera ist aus“, oder „das Mikro ist nicht mehr an“, musst du davon ausgehen, das es nicht so ist und womöglich weiter aufgenommen wird. Deswegen bleibe von Anfang bis Ende bei einem Interview professionell. Auch wenn die meisten Journalist umgänglich und fair sind, ist es gut, auf das Schlimmste vorbereitet zu sein.

Noch ein wichtiger rechtlicher Hinweis: Wenn du wissentlich mit einem Journalisten sprichst, gibst du ihm stillschweigend dein Einverständnis für eine spätere Veröffentlichung deines Interviews.

#9 Immer schön locker bleiben

Setze Charme und Gestik ein, dadurch gewinnst du die Sympathien des Publikums und vielleicht sogar des Journalisten. Ein gutes Interview ist ein Gespräch, bei dem du „gut“ rüberkommst. „Gut“ ist hier relativ gemeint, denn es hängt davon ab, wie du wirken möchtest. Wenn du es also schaffst, so rüberzukommen wie du wirken möchtest (Inhalt und Körpersprache) hast du alles richtig gemacht. Vergiss die Technik um dich herum und bleib locker und authentisch. Wenn du aufgeregt bist, kannst du das auch mal erwähnen. Es ist grundsätzlich besser nichts zu überspielen und authentisch zu bleiben. Versuche deine Infos und Geschichten möglichst lebendig zu erzählen und habe keine Angst davor, klar deinen Standpunkt zu vertreten! Dein Ziel sollte es sein, gute Antworten und Zitate zu liefern, die kurz, verständlich, spannend und überzeugend sind.

Generell empfiehlt sich, locker und natürlich zu gestikulieren. Wenn dir das schwer fällt, übe mit deinen Händen vor dem Spiegel und nimm wenn nötig beim nächsten Interview einen Gegenstand zur Hilfe, der dich so von deiner Nervosität ablenkt. Der Gegenstand sollte kaum sichtbar sein und keine Geräusche erzeugen, eine Kette wäre also ein schlechtes Beispiel, viel besser wäre: Ein Ring, ein Armband, oder was dir sonst einfällt.

#10 Gut zu wissen

Viele Stars beantworten heikle Fragen mit den berühmten zwei Wörtern „Kein Kommentar!“. Damit gehst du zwar rechtlich auf Nummer sicher, sorgst in der Regel aber für viel mehr Neugier. Wenn du Fragen nicht beantworten willst oder kannst, dann erkläre dem Journalisten warum oder wieso. Dadurch gibst du ihm die Chance dich zu verstehen.

Wenn dich der Journalist mal falsch verstehen sollte oder du dir nicht sicher bist, wie er deine Aussage aufgefasst hat, frage nach, stelle den Sachverhalt richtig und beantworte die Frage nochmal neu – später ist es in der Regel zu spät.

Zeige Respekt gegenüber anderen Musikern und spreche nicht schlecht über sie. Manche Klatschzeitungen wollen dich genau dazu bringen, damit ein schöner Streit in den Medien ausgetragen wird. Das kann dir, wenn du es nicht bewusst getan hast, schnell zum Verhängnis werden.

 

© Saskia Rienth, Medienberatung und Kommunikationstraining speziell für kreative Köpfe

www.saskiarienth.de

 

Bild (c) ANDR3W A, 2011, Flickr CC